Naëma



„Wo fahren wir hin?“
„Nach Berlin!“
„… und wann kommen wir zurück?“
„Wir kommen gar nicht mehr zurück…“

Es gibt Dinge, über die kann man nicht reden, um sie zu erklären. Aber man kann sie ein Leben lang tanzen oder singen. Bis sie eine Landkarte werden, die für andere nutzbar ist. Bis es Liebe wird.

Naëma hat Zugänge, die manche Leute nicht haben, ja nicht einmal verstehen. Das macht es einem nicht unbedingt immer leichter. Gerade auch in einem Kulturgeschäft, das vereinnahmt, ohne wirklich hinzuschauen. Wenn ich nicht wüsste, welche Kraft in dieser kleinen Person steckt, ich müsste mir Sorgen machen. Aber ich habe sie in Ausnahmezuständen auf der Bühne Dinge tun sehen, die sich die meisten ihr Lebtag nicht trauen. Und ich habe sie aus Krisen auferstehen sehen, klar und gereift und getragen von elfenhaften Stimmen.

Jetzt hat meine mir liebe Freundin eine CD aufgenommen. Nicht etwa ein verqueres Folk-Album, wie man vielleicht hätte vermuten können. Nein, Naëma sucht die Gegensätze und zieht sie an. In K Bastian an ihrer musikalischen Seite hat sie diese Herausforderung gefunden. Zusammen kreieren die beiden eine Verschmelzung der Genres und haben so einen zeitgemäßen Pop-Entwurf geschaffen. Stadtmusik von einer, die eigentlich im Wald zu Hause ist. Die das unerforschte Neuland liebt, den Raum zwischen den Zeilen und die Bäume. Erstaunlicherweise funktioniert das sehr, sehr gut. Vielleicht gerade, weil sie um ihre Wurzeln weiß und um Dinge, die wirklich wichtig sind. Um das Lachen, das Fließen und um das Dröhnen in der Welt. Und um die Wege, sein Herz nach Hause zu bringen – wenn es sein muss – immer und immer wieder.

Ich bin mir sicher: auch am Ende dieses Tages wird Naëma im Dunkeln leuchten und in ihrer ureigenen Sprache einen Spell flüstern, der irgendeine lang verschlossene Tür öffnen kann – dem, der dafür bereit ist.

Tom Liwa, 2013